Verkehrskonzept Insel Reichenau

Die Gemeinde Reichenau möchte diverse Angelegenheiten im Themenbereich Verkehr gemeinsam mit seinen Bürgerinnen und Bürgern bearbeiten. Auf dieser Seite finden Sie alle wichtigen Gemeinderatsunterlagen zu den einzelnen Verkehrsthemen. Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung möchten wir Sie gerne in die Entscheidung mit einbinden.
Als Tourismusgemeinde kämpfen wir, wie viele andere touristisch geprägte Gemeinden, mit den Nachteilen des Besucherverkehrs. Die Besonderheit der Insel, die den Status als UNESCO Welterbestätte Insel Reichenau erst möglich machte und die es zu erhalten gilt, sorgt allerdings dafür, dass eine geordnete und im Einklang mit den Bürgern stehende Parkraumbewirtschaftung nicht möglich ist. Die diesjährige touristische Saison hat dies nochmals in aller Härte verdeutlicht. Um eine dauerhafte und klare Lösung zu finden, ohne hierbei einen Schilderwald zu kreieren, wäre die Einführung einer Parkverbotszone Insel Reichenau am Sinnvollsten. Dieser Wunsch wurde von einzelnen Gemeinderatsmitgliedern in der Vergangenheit bereits geäußert und soll nach Ansicht der Verwaltung nun umgesetzt werden. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, dass eine Parkverbotszone Insel Reichenau sowohl für Besucher als auch für Bewohner gilt. Innerhalb dieser Parkverbotszone wäre das Parken nur noch auf ausgewiesenen Flächen möglich. Diese sind in Form von Parkplätzen bereits vorhanden, müssen allerdings durch eine Vielzahl an Parkbuchten, o.ä. ergänzt werden. Hierbei gilt es die Bevölkerung mit einzubeziehen, um eine möglichst breite Akzeptanz zu erreichen. Die bisherigen Erfahrungen der Bürgerbeteiligung waren im Bereich des Baugebietes Lindenbühl-West durchweg positiv, weshalb ein solches Verfahren erneut durchgeführt werden soll. Grundsätzlich muss aber darauf hingewiesen werden, dass sich bei Einrichtung einer Parkverbotszone Insel Reichenau und der daraus resultierenden Begrenzung der Parkmöglichkeiten, bisher liebgewonnene Gewohnheiten verändern werden müssen.
Die Auswirkungen einer Parkverbotszone lassen sich am Beispiel des Rathausvorplatzes bereits aktuell erleben. Durch die Sperrung des Rathausvorplatzes hat der Parkdruck auf den Münstervorplatz deutlich zugenommen. Aus diesem Grund muss bei Einrichtung einer inselweiten Parkverbotszone das gesamte Gemeindegebiet in die Betrachtung mit eingebunden werden.

Beschlussvorschlag
1.    Der Gemeinderat möge beschließen, die Einrichtung einer Parkverbotszone Insel Reichenau bei der Straßenverkehrsbehörde zu beantragen. Die Verwaltung wird diesbezüglich mit der Genehmigungsbehörde in Kontakt treten und die Umsetzung forcieren.
2.    Der Gemeinderat möge beschließen, die Durchführung einer Bürgerbeteiligung zum Thema Umsetzung einer Parkverbotszone Insel Reichenau, sofern die beantragte Umsetzung positiv beschieden wird.
Im Zusammenhang mit der Ausweisung einer Parkverbotszone sollte auch über die Möglichkeit des Anwohnerparkens nachgedacht werden. Hierbei bestünde die Möglichkeit das Parken zeitlich begrenzt nur Anwohnern zu gestatten. Als Beispiel kann hier das Paradies in Konstanz genannt werden, in dem die Parkflächen ab 17.00 Uhr nur mit einem Anwohnerparkausweis genutzt werden können. Dies wiederum würde Probleme für Besucher darstellen.
Ein ähnliches Konzept hat die Stadt Heidelberg, wobei hier die Bürger gegen eine jährliche Gebühr zu den Anwohnerparkausweisen gleichzeitig ein gewisses Kontingent an Besucherausweisen erhalten. Diese können von den Bürgern selbst an Besucher vergeben werden.
Im Rahmen der Bürgerbeteiligung sollte dieses Thema abgefragt werden.

Beschlussvorschlag
Der Gemeinderat möge beschließen, dass das Thema Anwohnerparken im Rahmen der Bürgerbeteiligung berücksichtigt wird.

Parksuchverkehr erhöht das Verkehrsaufkommen in der Gemeinde, verlangsamt den Verkehrsfluss und steigert den Anreiz außerhalb der vorgesehenen Parkflächen zu parken. Durch die neuen Internetauftritte von Verkehrsverein und Gemeinde wurde bereits digital auf die Parkmöglichkeiten aufmerksam gemacht. Wichtiger – auch im Hinblick auf die Parkverbotszone Insel Reichenau - ist jedoch die Verkehrslenkung vor Ort, um Besucher gezielt zu den Parkmöglichkeiten zu lenken und bei Überfüllung Alternativparkmöglichkeiten anzubieten. Daher möchte die Verwaltung das Thema Verkehrsleitsystem aufgreifen und ein digital vernetztes Verkehrsleitsystem aufbauen. Ziel ist die Minimierung des Parksuchverkehrs, die Erhöhung der Nutzung des ÖPNV sowie der Festlandsparkflächen. Die Verwaltung möchte zur Realisierung des Vorhabens Gespräche mit Fachfirmen zur Umsetzung eines solchen Parkleitsystems zu führen.

Beschlussvorschlag
Der Gemeinderat möge die Verwaltung mit der Ausarbeitung eines Vorschlags zur Einführung eines Parkleitsystems beauftragen.

Innerhalb des Gremiums besteht der Wunsch zur Verringerung aller Tempo 70 Bereiche im Ortsteil Insel auf eine Geschwindigkeit von 50 km/h. Im Rahmen der Verkehrsschau ist es uns gelungen mit der Verkehrsschaukommission eine Reduzierung der Geschwindigkeit  im Bereich Sandseele von 70 km/h auf 50 km/h zu erreichen. Somit bleiben noch drei Bereiche im Ortsteil Insel, welche noch mit Tempo 70 befahren werden dürfen. Weiterhin ist es der Verwaltung ein Anliegen die drei noch bestehenden Geschwindigkeitsbereiche im Ortsteil Insel mit Tempo 70 zu reduzieren. Hierbei bedarf es allerdings noch weiterer Gespräche mit dem Regierungspräsidium Freiburg, um dies zu erreichen.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Geschwindigkeit in der Mittelzellerstraße von 50 km/h auf 30km/h zu reduzieren. Die im nächsten Punkt angesprochene Überarbeitung der Radwegeführung sieht eine Querverbindung zwischen der Schiffslände und dem Münster vor. In diesem Zusammenhang und im Zuge der Sanierung der Mittelzellerstraße wurde bereits über einen Radschutzstreifen diskutiert. Aufgrund der vorhandenen Straßenbreite ist ein Radschutzstreifen allerdings nicht optimal. Seitens der Verkehrsschaukommission wird angeregt die Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 km/h zu beantragen. Hierdurch erhöht sich die Sicherheit nicht nur für Radfahrer, sondern auch für die Kinder der Kinderbetreuungseinrichtung Käppele. Zudem würde eine Verringerung der Geschwindigkeit die Lärmbelastungen der Anwohner verbessern.

Beschlussvorschlag
Der Gemeinderat begrüßt die Reduzierung der Geschwindigkeit in der Mittelzellerstraße auf 30 km/h und beschließt die Aufnahme der angedachten Geschwindigkeitsreduzierung in der Mittelzellerstraße in die Bürgerbeteiligung.

Zur Überarbeitung der Radwege hat sich aus Vertretern des Gemeinderates, des Verkehrsvereins, interessierter Bürger sowie der Radwegbeauftragten des Landkreises eine Gruppe gebildet, um die Radwegführung im Ortsteil Insel Reichenau zu überarbeiten und zu optimieren. Hierbei wurden kritische Stellen betrachtet und Änderungen besprochen.

Verbesserungswürdige Stelle Verbesserungsvorschlag
Kurvenbereich in der Landgasse
Der Höhenweg führt im Bereich Landgasse bergab um zwei rechtwinklige Kurven, wovon die zweite nicht einsehbar ist und regelmäßige Verschmutzungen durch Kies aufweist.
Diese Stelle soll durch das Anbringen eines Hinweises entschärft werden.
schmaler Fuß-/Radweg Bradlen
Zwischen der Bradlengasse und Melcherleshorn verläuft der Uferweg über private Grundstücke und wird als Fuß- und Radweg geführt. Der Weg wird vom Campingplatz kommend immer schmaler, sodass Radfahrer per Beschilderung zum Absteigen und Schieben aufgefordert werden.
Mit der Verlegung des Radweges auf den 50 Meter weiter östlich verlaufenden Wirtschaftsweg würde der Uferweg zu einem reinen Fußweg werden und der ungehinderte Verkehrsfluss der Radfahrer wäre ebenfalls gegeben.
Kreuzungsbereich am Schloss Königsegg
Die Radfahrer werden über die Schlossstraße auf die Untere Rheinstraße geleitet und stehen kurz darauf an der Kreuzung Untere Rhein-straße/Mittelzellerstraße/Obere Rheinstraße. Diese Verkehrsführung wurde ursprünglich gewählt, da der Straßenanstieg in der Markus-straße prozentual größer ist und dort viele Fahrzeuge parken. Dennoch ist die Verkehrsführung unglücklich, da die Radfahrer an eine vielbefahrene Kreuzung geleitet werden.
Um die Kreuzungsstelle zu entschärfen soll der Radweg über den Lilly-Braumann-Honsell-Weg und die Markusstraße geführt werden
Einfahrt Obere Rheinstraße/Moosweg
Bedingt durch die aktuelle Radwegführung kommen die Fahrradfahrer durch die abschüssige Straße mit erhöhter Geschwindigkeit an der Abzweigung an und erkennen die Wegweisung sehr spät. Dies führt zu abrupten Lenkmanövern.
Eine rechtzeitige und erkennbare Wegweisung gibt den Radfahrern die Möglichkeit sich auf den Richtungswechsel vorzubereiten.
Eine Verlegung der Radwegführung über den Lilli-Braumann-Honsel-Weg und die Markusstraße würde die Geschwindigkeit der Radfahrer an der Abzweigung zum Moosweg reduzieren, da die Obere Rheinstraße zwischen Markusstraße und Moosweg nicht mehr so stark abfällt bzw. nicht genug Geschwindigkeit ermöglicht.
Einfahrt Moosweg/Oberzellerstraße 
Die Radfahrer müssen derzeit aus dem Moosweg kommend in die Oberzellerstraße einbiegen und werden in Richtung Abtswiese geleitet.
Sinnvoller ist die Führung der Radfahrer vom Moosweg in den Arenenbergweg. Von dort kann die Kreuzung zum Radweg entlang der Pirminstraße entweder wie bisher im Bereich Im Streichen oder über die Kreuzung an der Abt-Hatto-Straße erfolgen. Die Radwegführung sollte von der Möglichkeit der Installation einer Querungshilfe abhängig gemacht werden.
Fehlgeleitete Radfahrer Vögelisberg
Radfahrer, welche in Mittelzell auf der Pirminstraße in Richtung Oberzell unterwegs sind, fahren über den Vögelisberg auf der L221.
Ein gut sichtbarer Hinweis auf die bestehenden Radwege soll eine Befahrung der L221 über den Vögelisberg durch Radfahrer verhindern. Die Radfahrer sollten über Rosendornweg, Tellerhofweg und Berggässle zum Radweg am Moosweg geleitet werden.

Neben dem Rundkurs um die Insel soll auch eine ausgeschilderte Querverbindung ausgewiesen werden. Diese soll zwischen Schiffslände und Münster entstehen, um Radfahrern, welche mit dem Schiff ankommen eine Verbindungsmöglichkeit zu bieten und Nutzern des Inselradweges eine Abkürzungsmöglichkeit zu bieten. 
Hierbei gibt es zwei verschiedene Varianten.
Bei der einen Variante wäre die Führung der Radfahrer über die Stedigasse, die Untere Rheinstraße, die Mittelzellerstraße und die Burgstraße möglich. Eine solche Radwegführung würde durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung in der Mittelzellerstraße unterstützt werden.
Alternativ könnte die Ausweisung eines Radschutzstreifens bei der Straßenverkehrsbehörde beantragt werden. Dieser ist aufgrund der teilweise geringen Straßenbreite allerdings kritisch zu sehen.

Die zweite Variante würde über die Stedigasse, den St. Gotthard, die Häfelishofstraße, die Mittelzellerstraße und die Burgstraße führen und könnte aus Sicht der Radwegkommission umgesetzt werden, sofern eine Realisierung der ersten Variante nicht möglich ist.

Um eine einheitliche und für Fahrradfahrer erkennbare Beschilderung zu erreichen wird vorgeschlagen die bundeseinheitliche Radwegbeschilderung (grünes Fahrrad auf weißem Grund) heranzuziehen und unterstützend mit den bisherigen Bodenmarkierungen zu arbeiten.

Beschlussvorschlag
Der Gemeinderat möge die Umsetzung des vorgestellten Radwegeplanes beschließen.

Zur Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs soll Niederzell besser an den Regionalverkehr angebunden werden. Diesbezüglich gibt es bereits Überlegungen den Regionalverkehr über die Niederzellerstraße und den Parkplatz Niederzell zu führen, um eine bessere Anbindung zu erreichen. In diesem Zusammenhang muss geprüft werden, ob ein Rundkurs die hierfür nötigen Zeitkapazitäten hervorbringt, um das Vorhaben zu realisieren. Gleichzeitig sollte auch eine Fahrgastbefragung stattfinden, um eine Resonanz auf die potenziellen Auswirkungen eines veränderten Kurses direkt von den Nutzern des Regionalverkehrs zu erhalten.

Beschlussvorschlag
Der Gemeinderat möge die Durchführung einer Fahrgastbefragung beschließen.