Klostergeschichte

Das Insel-Kloster wurde vom Wanderbischof Pirmin im Jahre 724 gründet. Laut einer Gründungsurkunde, brachte er vierzig Mönche mit auf die Insel Reichenau. Um weitere Benediktiner-Abteien zu gründen verlies Pirmin das Inselkloster schon nach drei Jahren. Die letzte Benediktiner-Abtei die er gründete war in Hornbach, wo er 753 auch starb.
 
Das goldene Zeitalter begann mit Abt Waldo (786 bis 806). Sein Nachfolger Abt Heito I. (806 bis 823) holte sich während seines ca. einjährigen Aufenthalts in Byzanz Anregungen zum Bau der ersten Kreuzbasilika, das Münster 816 auf der Reichenau.
 
Abt Walahfrid Strabo (842 bis 849) war Gelehrter, Dichter und Erzieher am kaiserlichen Hof in Aachen. Ihm verdanken wir die „Visio Wettini“, welches die sinnbildliche Gestaltung eines christlichen Weltbildes und ein Wegweiser zu Dantes „Göttlicher Komödie“ ist. Um etwa 840 schrieb er das erste Gartengedicht „De cultura hortorum“, kurz Hortulus genannt. Er ertrank mit nur 40 Jahren auf einer Friedensmissionsreise in der Loire.
 
Unter Abt Hatto III. (888 bis 913) gelangte die Reichenau zu einer einzigartigen politischen Macht.
Kaiser Arnulf erhob im Jahr 891 den diplomatisch hochbegabten Abt zum Erzkanzler des Reiches. Hatto III. war Taufpate und Vormund Ludwig des Kindes, des letzten deutschen Karolingerkönigs. Kein Abt hat jemals so viel staatliche Verantwortung getragen wie er. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts wurde die Kirche St. Georg in Reichenau-Oberzell neu erbaut, hierfür schenkte der Papst, im Jahr 896, dem Erzkanzler das Haupt des Heiligen Georg.
 
Im Jahr 830 wurden die Reliquien des Heiligen Markus und 925 die Heilig-Blut-Reliquie (ein byzantinisches Abtskreuz, das blutgetränkte Erde von Golgatha und Holzsplitter enthält) auf die Reichenau gebracht.
 
Ansicht auf das alte Kloster mit blühendem Mohnfeld im Vordergrund

Abt Berno (1008 bis 1048) erbaute den 1048 eingeweihten Westchor des Münsters, zu dieser Zeit war Hermann der Lahme, welcher bereits zu Lebzeiten eine berühmte Persönlichkeit war, Mönch der Reichenau. Hermann der Lahme verdankt die Kirche die noch heute gesungenen marianischen Antiphonen „Alma redemtoris mater“ und „Salve regina“. Er war auch Verfasser einer Weltchronik, beginnend mit Christi Geburt und endend mit seinem Tode. Mit ihm endete gleichfalls die glanzvolle Zeit der Benediktiner-Abtei Reichenau.
 
Friedrich von Wartenberg begann ab 1447 mit dem Bau des gotischen Ostchores. Die Abtei Reichenau endete mit dem Abt des Klosters Markus von Knöringen 1508 bis 1516 und 1523 bis 1540. Sie wurde gegen ein Entgelt an den Konstanzer Bischof Johann III. von Weeze verkauft, der durch Karl V. mit dem Reichslehen der Abtei belehnt wurde. Als Priorat bestand das Kloster weiter, bis es 1757 aufgelöst wurde. Aus ihrer glanzvollen Vergangenheit sind der Reichenau ihre drei romanischen Kirchen sowie die Kunstwerke in der Münsterschatzkammer erhalten geblieben.